GATE-Themenabend 20.11.2018: Die Radbahn unter der U1-Hochbahn

Liebe Tourismusinteressierte, liebe Freunde und Freundinnen der GATE-Themenabende,

 

Wir laden Sie und euch ganz herzlich zu unserem vorletzten Themenabend für 2018 ein. Es ist uns eine sehr große Freude für diese Veranstaltung Matthias Heskamp von paper planes e.V. zur Radbahn Berlin ankündigen zu dürfen. Er wird uns in dieses zukunftsweisende Projekt einführen, uns von dessen Bedeutung für Berlin und seine Radfahrer*innen, das Klima und nicht zuletzt den Tourismus berichten und mögliche Perspektiven aufzeigen. Wir freuen uns auf viele Gäste und eine inspirierende Diskussion.

 

Dienstag, den 20. November 2018 um 19:00

Die Radbahn unter der U1-Hochbahn – ein Spielfeld für zeitgemäße Mobilität, Innovation und Freizeitangebote.

PRO_RADBAHN_Renderings_Oberbaum_2

Die Radbahn verläuft mitten durch eine wachsende Metropole, die sich in ständigem Umbruch befindet. So ist es logisch, dass sich etliche stadträumliche Qualitäten links und rechts der Strecke finden lassen: Orte des täglichen Chaos und Orte der Ruhe und Entschleunigung, Orte der räumlichen Enge und solche, die großzügig angelegt sind, Orte aus Beton oder idyllische Stadtnatur.

Mit dem Radbahn-Konzept nehmen wir diese Qualitäten auf und übertragen sie auf die Zukunft. In sieben Abschnitten zeigen und formulieren wir, was wir für unsere Stadt und ihre Bewohner*innen als wünschenswert erachten.

Es ist eine Vision, von der wir glauben, dass sie mithelfen kann, eine positive Entwicklung von Stadträumen und Mobilität zu fördern und es vermag, ein Zeichen zu setzen.

Matthias Heskamp, Architekt; paper planes e.V. / Team Radbahn Berlin; www.paper-planes.net und www.radbahn.berlin.

 

Wann:  19:00

Wo (Achtung, anderer Ort!):     Kreuzberger Weltlaterne (www.kreuzberger-weltlaterne.com)

Kohlfurter Straße 37, 10999 Berlin [Kottbusser Tor (U1 und U8)]

 

Um Weiterleitung an Interessierte sowie Anmeldung bei zimmermann@gate-tourismus.dewird ausdrücklich gebeten. Wie immer freuen wir uns Sie und euch.

 

Bis dahin herzliche Grüße,
Annegret Zimmermann und das gesamte GATE-Team

Weiterlesen

Bericht GATE-Themenabend 03.07.2018

Die Region Cusco in Perus Süd-Osten ist mit dem Heiligen Tal, der Inka-Stätte Machu Picchu und der beeindruckenden Stadt Cusco selbst ein echter Touristenmagnet. Die Stadt empfängt jährlich rund 3 Millionen Touristen – bei rund 400.000 Einwohnern. Damit die lokale Bevölkerung von diesem Tourismus im großen Stil auch profitiert, gibt es mittlerweile Organisationen, die sich einem nachhaltigen Tourismus-Modell widmen. CBCtupay ist die Tourismus-Agentur des Centro Bartolomé de las Casas, eines Kulturzentrums in Cusco, das sich für die Verknüpfung zwischen Kulturen, Fachgebieten und Welten einsetzt und sich für die Einforderung indigener Rechte und den Erhalt indigener Kulturen stark macht. CBCtupay hat sich als TourCert-zertifizierte Agentur dem verantwortungsvollen Tourismus verschrieben, der sowohl den respektvollen Umgang mit der Umwelt und den soziokulturellen Aspekt, als auch den ökonomischen Nutzen für die lokale Bevölkerung in den Fokus stellen. Mit Tour-Angeboten, die sowohl die klassischen Ausflüge wie Machu Picchu, als auch homestays und volunteering in lokalen Gemeinden umfassen, versucht die Agentur einen nachhaltigen Tourismus in der Region zu fördern. Auch Reiseangebote in andere Regionen Perus gehören zum Angebot, der Fokus liegt jedoch auf der südlichen Region Perus und eben insbesondere auf der Region Cusco.

Um einen Gemeindebasierten Tourismus zu fördern, veranstalten die Mitarbeiter auch Workshops in lokalen Gemeinden. Die Gemeinden erarbeiten so gemeinsam mit der Agentur ein sinnvolles touristisches Angebot, das dann in das Touren-Sortiment der Agentur mit aufgenommen werden kann. So wurde z.B. in dem Örtchen Camahuara eine Reihe von partizipativen, ganztägigen Workshops angeboten, in denen ein Konzept erarbeitet wurde, welche Aktivitäten und Unterbringungen man Touristen anbieten könnte. Ausflüge nach Camahuara wurden dann in das Angebot mit aufgenommen. Wichtig ist hier, dass weiteres Monitoring erfolgt, so dass alle Seiten von der Zusammenarbeit langfristig profitieren.

Es gibt auch andere Beispiele in der Region, wie z.B. in dem Ort Huasao, in dem das Naturgebiet „Humedal“, das eine diverse Flora und Fauna beherbergt, kürzlich von einem Investor zu einer Touristen-Attraktion ausgebaut wurde, anscheinend ohne dabei auf den nachhaltigen Nutzen und vor allem den Erhalt der eigentlichen Attraktion, der Flora und Fauna, zu achten. Ganz im Gegenteil wurden übergroße Figuren aus Kino-Filmen platziert, um Touristenströme anzulocken, die sich ein Foto mit den bekannten Charakteren sichern wollen. Hier scheint weder die lokale Gemeinschaft mit in den Entscheidungsprozess mit einbezogen worden zu sein, noch wird diese, wie es scheint, von dem Tourismus profitieren. Zu befürchten ist natürlich auch, dass die Vögel im Gebiet mit steigenden Touristenzahlen weniger werden. Wie kann man solche Entwicklungen aber verhindern oder positiv beeinflussen? Ein wichtiger Ansatz ist sicher die Bildung. Nachhaltige Entwicklung in die Schulbildung mit aufzunehmen und die Bevölkerung dabei zu unterstützen, ihre Stimme zu erheben, wenn es um die touristische Nutzung ihrer Heimat geht, würde sicherlich einen wichtigen Unterschied machen.

Eine Idee kann sicher sein, Bildungsprojekte wie das von Annett Hofmann, die mit den Kindern des Ortes am Erhalt der sprachlichen und kulturellen Diversität (Spanisch-Quechua) arbeitet, mit einer Sensibilisierung für nachhaltige Entwicklung zu verbinden.

Weiterlesen

GATE Exkursion 10.10.2017 Interaktive Stadtführung Kreuzberg

kreuzberg_jens_heimendahl

Foto: Blick über den Theodor-Wolff-Park in Richtung Friedrichstraße – Jens Heimendahl

 

Liebe Tourismus-Interessierte, liebe Freunde und Freundinnen der GATE-Exkursionen,

Im Oktober begeben wir uns auf Exkursion durch Berlin. Jens Heimendahl nimmt uns auf eine wunderbare interaktive Stadtentdeckungsreise zu Fuß mit. Im Fokus stehen Plätze und kleine Parks in Kreuzberg. Es wird den Fragen nachgegangen welche Nutzergruppen es gibt, wie unterschiedlich in Berlin bis heute mit dem öffentlichen Raum umgegangen wird oder welches Potenzial in den einzelnen Plätzen steckt und ob sie „gut oder nicht funktionieren“. Dabei werden auch Nutzerinnen und Nutzer der öffentlichen Räume spontan einbezogen.

Zu dieser Exkursion laden wir herzlich ein und freuen uns auf einen inspirierenden Spaziergang.

 

Dienstag, den 10. Oktober 2017

Interaktive Stadtführung zu bekannten und unbekannten Plätzen und Parks in Kreuzberg

 

Plätze haben eine besondere Stellung im öffentlichen Raum einer Stadt, oft sind sie von besonderen Gebäuden umgeben oder dienen als Platz für Denkmäler. Sie sind wichtige Freiflächen und bieten Platz für Bewegung und Spiel. Die dienen darüber hinaus als Treffpunkte, Versammlungsorte, Knotenpunkte oder Landmarks. Plätze sind von daher Brennpunkte des öffentlichen Lebens in der Stadt und sollten zentrales Thema und Raumelement des Städtebaus sein.

In diesem Kontext spielt auch das Thema Partizipation/Beteiligung eine besondere Rolle. Der öffentliche Raum gehört Allen und sollte für alle Bevölkerungsgruppen sicher zugänglich sein. Die Aufteilung in separate Nutzerbereiche wird bei Plätzen eher aufgehoben als bei Straßen, man spricht von „shared space“. Nutzungsinteressen müssen allerdings abgewogen werden und Akteure der Stadtplanung sollten alle möglichen Nutzer einbeziehen. Insbesondere schwächere Gruppen wie Kinder, Radfahrer oder Fußgänger sollten besonderen Schutz genießen.

 

Jens Heimendahl, www.kiez-touren.de

 

Wann:                  von 18:00 bis 20:00

Treffpunkt:        17:50 Mariannenplatz am Feuerwehrbrunnen. Die Tour endet am Halleschen Tor.

 

Um Weiterleitung an Interessierte sowie unbedingt eine kurze Anmeldung bei Jens Heimendahl, 0176 – 57855869 oder mail@kiez-touren.de wird gebeten.

 

Weiterlesen

Stammtisch 10.5.2016: Safari Tourismus in Botswana und Namibia

Liebe Tourismus-Interessierte, liebe Freunde und Freundinnen des GATE-Stammtischs,

Fünf Länder, 3 UNESCO Welterbestätten, 250.000 Elefanten – ein gigantisches Schutzgebiet: Die Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA TFCA) im südlichen Afrika ist ein Paradebeispiel für ein Projekt, dessen Ziel der Einklang von nachhaltiger Entwicklung und Naturschutz ist. Tourismus ist das Instrument, das diesen Einklang erzeugen soll.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit als Studentin der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) hat Stefanie Remmer, unsere Referentin im Mai, dieses Vorhaben unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht. Wir laden hiermit herzlich ein, um gemeinsam darüber zu diskutieren.

Einladungsbild _mai
Fotoquelle: By Lencer (talk) – own work, used: File:Zambezi river basin-de.svg by Eric Gaba (User:Sting) and User:NNWhttp://www.kavangozambezi.org/the_map.php, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16751696

 

Dienstag, den 10. Mai 2016 um 19.00 Uhr: Safaritourismus im größten Schutzgebiet der Welt – Traumhafte Erlebnisse für Touristen und eine Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung. Oder nicht?

Tourismus soll Einkommen für die lokale Bevölkerung im KAZA-Schutzgebiet schaffen und Anreize für den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt setzen. 35,5 Millionen Euro stellte die KfW als eine von mehreren renommierten Unterstützerorganisationen zur Realisierung dieses Plans zur Verfügung. Community-based Tourism, Pro Poor Tourism und Inclusive Business liefern die Notenblätter, nach denen gespielt werden soll. Die Musik wird letztlich jedoch von den touristischen Unternehmen vor Ort gemacht, allen voran Safari Lodges. Haben diese Lodges verinnerlicht, welche Rolle sie in der Vision der KAZA TFCA spielen? Wissen sie welche Ansatzpunkte zur Schaffung lokaler Benefits ihnen theoretisch zur Verfügung stehen und können sie sie praktisch auch nutzen? Was motiviert sie überhaupt ihren Part zu spielen?

Beim GATE-Stammtisch wird Stefanie Remmer einen Eindruck vom Safari Tourismus in Botswana und Namibia geben und die Ergebnisse ihrer Master-Forschung mit uns teilen. Dabei könnt Ihr/ Sie mitbestimmen, welche Aspekte besonders in den Fokus rücken sollen – zum Beispiel die geschaffenen Arbeitsplätze, die lokale Beschaffung von Gütern und Services oder die Beziehungen zu den umliegenden Dörfern? Kontakt: stefanie.remmer@gmx.de.

Wann:  10. Mai 2016, 19 Uhr

Wo: Café Hundertwasser (Obergeschoss), Simon-Dach-Straße 39, 10245 Berlin, Friedrichshain, (U5 Samariterstraße, U/S Warschauer Straße, Tram 10 Grünberger Straße oder Bus 240 Boxhagener Platz).

 

Um Weiterleitung an Interessierte sowie eine kurze Anmeldung bei zimmermann@gate-tourismus.dewird gebeten.

Wie immer freuen wir uns auf eine zahlreiche Teilnahme aller Interessierten und eine rege Diskussion!

Weiterlesen

Feedback zur neuen Webseite gefragt

Liebe GATE-Mitglieder,

die neue Homepage des Vereins nähert sich der Fertigstellung. Bevor es an den letzten Feinschliff geht, habt Ihr noch mal die Möglichkeit Fehlerchen aufzuspüren, Kritik zu üben und Vorschläge zu unterbreiten. Die Webadresse der Seite ist gleich geblieben: www.gate-tourismus.de

Manche Sachen fehlen noch – so zum Beispiel die Selbstdarstellung einiger Mitglieder. Wer also dort ebenfalls auftauchen möchte, verfasst bitte einen kurzen Text (bei Wunsch auch mit den Kontaktdaten) und schickt mir diesen samt Foto. Meine E-Mailadresse ist: mm.herold@gmail.com

Einige andere Punkte (zum Beispiel die beiden Seiten unter „nachhaltiges Reisen“) sind bislang eher als Diskussionsgrundlage zu verstehen. Wenn Ihr konkrete Vorschläge habt, schickt diese bitte in Textform an mich. (Generell gilt zu beachten, dass die Texte möglichst kurz und bündig ausfallen sollten – weniger ist mehr: gerade im Internet)

Wer sich über den Menüpunkt „letzte Beiträge“ in der rechten Sidebar wundert, dem sei gesagt, dass ich bei der Neuordnung der Beiträge chronologisch vorgegangen bin. Deswegen finden sich momentan dort – mit Ausnahme dieses Textes – die „ältesten Beiträge“ des Vereins. Mit jedem neuen Beitrag rutschen diese aber nach unten, so dass das Feld in Kürze (spätesten nach 2 Beiträgen) auch aktuell sein wird.

Noch kurz zu den Links der alten Webseite. Weil diese sich ja auf einigen anderen Webseiten, Flyern, etc. befanden, haben wir den entsprechenden Ordner übernommen (der läuft quasi „still“ im Hintergrund weiter). Die alten Links funktionieren also auch weiterhin.

Viele Grüße

Martin Herold

Weiterlesen

10 Jahre GATE

Geschichte von GATE (verfasst anlässlich des 10jährigen Bestehens im Jahr 2005)

10 Jahre GATE e.V.

Der Verein GATE e.V. entstand vor zehn Jahren (1995) aus einer hauptsächlich studentischen Initiative. Die meisten Gründungsmitglieder hatten bereits Erfahrung im Bereich Tourismus. Diese waren entweder beruflicher Art, z.B. als Reiseleiter oder Reiseverkehrskauffrau oder beruhten auf einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema in einer Magister- oder Doktorarbeit.

Wir alle waren vertraut mit den tourismuskritischen Strömungen, die sich bereits seit Ende der 70er Jahre vor allem mit den ökologischen Folgen des Tourismus beschäftigten. Zwar wurde auch Kritik an den sozio-kulturellen Folgen laut. Die ethnologische Fachdebatte diesbezüglich verlief aber eher unproduktiv, da man sich dem Thema vornehmlich kritisch-emotional denn wissenschaftlich näherte.

So überwog z.B. bei vielen Wissenschaftlern die Angst vor Veränderung durch den einsetzenden Massentourismus in klassischen ethnologischen Feldforschungsgebieten, wodurch sich das wissenschaftliche Interesse, sich mit dem Phänomen Tourismus zu befassen, in Grenzen hielt.

Anders verlief die wissenschaftliche Entwicklung im Fach Ethnologie in den USA, England und Frankreich, wo man sich bereits seit den 1960er/1970er Jahren kreativ mit dem Thema auseinander setzte. In Deutschland waren bis dahin wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Tourismus Einzelleistungen, die in keinem Zusammenhang mit einer Forschungstradition standen.

Mit der Gründung von GATE verfolgten wir darum zwei Absichten: Zum einen, Tourismus als Forschungsgegenstand in der deutschsprachigen Ethnologie zu etablieren und zum anderen, ethnologisches Wissen, ethnologische Methodik und ethnologische Ethik in die Tourismusbranche einzubringen. Langfristiges Ziel dabei war es natürlich auch, das touristische Berufsfeld für Ethnologen zu erschließen. Berufsfelder sahen wir dabei vor allem in touristischen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, in der touristischen Bildungsarbeit und in Berufen der Tourismusbranche selbst ist immer noch ein weißer Fleck auf der Landkarte.

Beide Felder, „Ethnologie und touristische Praxis“ und „Tourismusforschung in der Ethnologie“ können nicht ohne einander auskommen und müssen sich ständig gegenseitig bereichern. GATE hat sich an der Schnittstelle der beiden Gebiete etabliert. Zu unseren wichtigsten Projekten gehörten von Beginn an die Sensibilisierung für das Thema Tourismus im Fach selbst, u.a. durch Fachvorträge und -seminare an Universitäten, sowie Öffentlichkeitsarbeit für das Fach, z.B. in Form von Präsentationen und Vorträgen auf Reisemessen wie der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin2.

Für seine Arbeit ist GATE angewiesen auf neue, für das Thema Tourismus relevante Forschungsergebnisse der deutschsprachigen Ethnologie. Dass sich das Thema Tourismus hier noch immer nicht durchgesetzt hat, erkennt man leicht, wenn man den Aufsatz von Hans Fischer aus dem Jahre 1982 liest: Die von ihm skizzierten Probleme sind die gleichen geblieben – der Aufsatz könnte von heute sein (vgl. Fischer 1982). Die Gründe dafür sind einfach herzuleiten: Zum ersten ist die Tourismusforschung bis heute noch immer die Sache Einzelner und einzelner Fachbereiche. Darüber hinaus kommen wesentliche Impulse der Tourismusforschung weiterhin aus dem Ausland und aus anderen Disziplinen, die sich dem Tourismus als Forschungsthema angenommen haben, wie z.B. aus der Volkskunde, Soziologie, Psychologie, Betriebswirtschaftslehre und aus den Tourismuswissenschaften. Wie in anderen anwendungsbezogenen Forschungsgebieten ist es auch im Falle Tourismus der deutschsprachigen Ethnologie bislang nicht gelungen, einen kreativen Umgang mit dem Thema zu pflegen. Wenn überhaupt, dann setzt sich die jüngere Generation in Magister- und Doktorarbeiten mit dem Thema auseinander.

In vielen anderen Publikationen ist Tourismus oft nur deshalb Bestandteil, weil er in den Forschungsgebieten einfach nicht mehr übersehen werden kann. Das alles hat auch zur Folge, dass sich die Tourismusforschung in Deutschland noch nicht entsprechend institutionalisiert hat. In der gemeinsamen Interessenvertretung der deutschen Ethnologie, der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV), existiert keine entsprechende Arbeitsgruppe und an den Universitäten gibt es nur vereinzelte Projekte, bei denen Tourismus als Forschungsgegenstand im Zentrum steht. Ein weiteres Hemmnis sind die Lehrenden des Faches Ethnologie, die den Bezug zum Thema Tourismus noch immer zu wenig suchen. Trotz steigender Absolventenzahlen, die vorhersehbar nicht alle im wissenschaftlichen Bereich tätig werden können, gibt es von Seiten der Lehrenden wenig Interesse, anwendungsbezogene Forschungsfelder wie das Thema Tourismus zu erschließen. So ist es auch zu erklären, dass die zumeist studentischen Initiativen, die sich wie GATE im Bereich Tourismus engagieren, wenig Unterstützung erhalten

Im Rückblick auf die letzten zehn Jahre GATE e.V. wäre Resignation dennoch unangebracht. Denn der vermeintliche weiße Fleck, den die Tourismusforschung in der deutschen Ethnologie darstellt, wird – wenn auch sehr langsam – kleiner. So ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema sehr viel differenzierter geworden, auch wenn die wesentlichen Impulse noch immer aus dem Ausland kommen.

Das Angebot an Seminaren zum Thema Tourismus an den deutschsprachigen Fachbereichen hat sich enorm erweitert. Vereinzelt gibt es inzwischen Tourismus-Forschungsprojekte. Auch ist das Interesse am Fach von außen gestiegen. So greifen andere Fächer, die sich mit dem Themenkomplex Tourismus befassen, vermehrt auf vorhandene ethnologische Forschungsergebnisse zurück.

Und wie sieht es mit der Praxis aus?

GATE e.V. ist das Tor, um „fremde“ Kulturen besser verstehen zu lernen. Diesem Anspruch versuchen wir gerecht zu werden: sowohl gegenüber denjenigen, die reisen, als auch gegenüber denjenigen, die sich professionell (theoretisch oder praktisch) mit Tourismus auseinandersetzen.

Im Fokus unserer Bemühungen stehen hierbei die Tourismuswirtschaft, die Entwicklungszusammenarbeit, die Bildungsarbeit und nicht zuletzt die Reisenden selbst. Wir haben bei unserer Arbeit im vergangenen Jahrzehnt immer wieder feststellen müssen, dass der Begriff „Tourist“ gerne pauschal mit denjenigen gleichgesetzt wird, die vornehmlich zum Zweck der Erholung reisen. Sie gelten für viele als die Hauptverursacher von sozio-kulturellen (und weiteren) Problemen in den touristischen Zielgebieten, die in der tourismuskritischen Debatte seit nunmehr rund 30 Jahren diskutiert und angeprangert werden.

Beispiele für den unmittelbaren Beitrag von Erholungssuchenden zu negativen Auswirkungen in den Destinationen (z.B. Akkulturationseffekte) gibt es zahlreich und können nicht verleugnet werden. Aber dies ist eben nur die eine Seite der Medaille. Denn wir alle reisen – unabhängig von unseren Reisemotiven – in ferne und für uns fremde Länder mit derselben Hoffnung, ja der Erwartung, dass wir von der einheimischen (= „bereisten”) Bevölkerung als Gast empfangen und behandelt werden. Wir alle haben den Anspruch, auch (oder vielleicht gerade) fern der Heimat bestimmten persönlichen Bedürfnissen nachzugehen, für die wir ein gewisses Maß an Respekt, Freiheit, Toleranz und Abstand von Seiten der einheimischen Bevölkerung voraussetzen. Wir alle möchten auch etwas mitnehmen von unserer Reise, sei es die Erinnerung an einen schönen Urlaub, sei es ein konkretes Ergebnis aus einer ethnologischen Feldforschung, oder sei es die Gewissheit, ein (zumal touristisches) Entwicklungsprojekt erfolgreich mitgestaltet zu haben.

Diejenigen, die glauben, sich von den Erholungssuchenden abgrenzen zu können, da sie (scheinbar) nicht Teil des Problems sind, verkennen, dass ein „professionelles“ Reisemotiv (z.B. eine ethnologische Feldforschung, der Einsatz als Entwicklungshelfer oder als Reiseleiter) weder automatisch interkulturelle Kompetenz verleiht noch automatisch dazu legitimiert, sich als etwas anderes (oder gar besseres) zu sehen als das, was wir alle auf Reisen sind: nämlich Touristen!

So legitim auf der einen Seite die Ansprüche und Bedürfnisse der Reisenden sind, so legitim ist auf der anderen Seite die Erwartung der einheimischen Bevölkerung, dass der Gast – unabhängig von seinem Reisemotiv – ihre Sprache, Kultur, Gebräuche und Traditionen respektiert und sich damit auseinander setzt. Nur wenn beide Seiten ernst genommen werden, lässt sich der Anspruch eines verbesserten interkulturellen Dialogs sowie von mehr Sozialverträglichkeit im Tourismus erreichen und können touristische Produkte entwickelt werden, die sowohl diesem Anspruch gerecht werden als auch realistische Marktchancen bieten. Wir alle können Katalysatoren dieses Prozesses, aber eben auch Teil des Problems sein. Es kommt darauf an, ein gegenseitiges Bewusstsein für die Erfordernisse im Umgang mit unterschiedlichen Werte- und Normenvorstellungen und deren relativer Gültigkeit zu schaffen sowie Wege für die Praxis aufzuzeigen.

Dies gilt nicht nur für das unmittelbare Zusammentreffen von Erholungssuchenden mit der einheimischen Bevölkerung sowie touristischen Anbietern vor Ort, sondern betrifft auch diejenigen, die in der Tourismuswirtschaft arbeiten (sei es als Reiseveranstalter, Reisebüro, Incoming-Agentur, Hotelier, Gastronom, Reiseleiter oder in sonstigen Bereichen), sowie diejenigen, die in der Entwicklungszusammenarbeit oder entwicklungspolitischen Bildungsarbeit beschäftigt sind (sei es vor Ort oder in Deutschland, sei es im Tourismus selbst oder auch in anderen Themenfeldern) und nicht zuletzt betrifft es die Ethnologen selbst (sei es bei Tätigkeiten vor Ort oder in Deutschland, sei es im Bereich der ethnologischen Tourismuslehre oder im Bereich der ethnologischen Tourismusforschung).

Ausblick

Seit Beginn unserer Aktivitäten setzen wir uns dafür ein, dem Themenkomplex „Ethnologie und Tourismus“ innerhalb und außerhalb des Fachs eine Öffentlichkeit zu verschaffen. Die Tatsache, dass auf der Konferenz neben Ethnologen auch zahlreiche Reiseveranstalter, Entwicklungs- und Bildungsexperten teilgenommen haben, zeigt das Interesse der Praxis, sich mit ethnologischen Herangehensweisen im Tourismus auseinander zu setzen. Daher werden wir auch in Zukunft daran arbeiten, dass die Tourismuslehre und -forschung ein Teil der Ethnologie wird und daran, ethnologische Erkenntnisse in der Tourismusbranche, Entwicklungszusammenarbeit und Bildungsarbeit zu etablieren.

Weiterlesen

Unterstützung über Boost

Ab sofort kann GATE e.V. auch über Boost unterstützt werden. Die Idee hinter Boost ist, dass die Internet-Shopping-Provisionen für einen guten Zweck eingesetzt werden sollten. Inzwischen unterstützen mehr als 500 Online-Shops das Projekt, darunter auch viele bekannte Unternehmen wie die Deutsche Bahn oder Zalando. Das Ganze funktioniert am Beispiel der Bahn illustriert so: Statt über die Webseite der Deutschen Bahn sein Ticket zu kaufen, geht man den “kleinen Umweg” über Boost. Diese erhalten dann für die Geschäfts-Vermittlung von der Bahn eine Provision, die anschließend gespendet werden kann – an GATE zum Beispiel. Den Internet-Käufern kostet diese Unterstützung keinen Cent, sondern nur ein paar zusätzliche Klicks. Und GATE freut sich über ein paar Euro, die zur Deckung der laufenden Kosten eingesetzt werden können.

Webseite von Boost: www.boost-project.com/de

Weiterlesen

Stammtisch-Stadtführung Kreuzberg 31.7.2013

Stammtisch 31. Juli: Stadtführung Jens Heimendahl: “Kreuzberg im Umbruch – ein Kiez erwacht zu neuem Leben.”

Es geht raus auf die Straße, rein ins Berliner Kiez-Leben. StadtSpur Berlin stellt euch den Kiez um den Kreuzberger Moritzplatz vor. Hier hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan, das sieht man, wenn man in die Seitenstraßen und auf die Hinterhöfe geht. Auch die Berlin-Touristen wollen inzwischen Kreuzberg entdecken, weil sie Mitte schon kennen. Und StadtSpur Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, bei seinen Führungen auch Begegnungen mit Menschen herzustellen, die in den Kiezen wohnen und arbeiten. Auch der Incoming-Tourismus soll nachhaltig sein, er soll sich behutsam einfügen in vorhandene Strukturen und zu einem Dialog zwischen Besuchern und Bereisten führen.

Es geht bei der Tour auch um Stadtentwicklung, soziale Strukturen und Veränderungsprozesse. Wer möchte, kann einen Aufgabe- und Beobachtungsbogen benutzen (wird vor Ort verteilt). GATE-Mitglied Jens Heimendahl, der bei StadtSpur Berlin arbeitet – und es mit konzipiert – ist gespannt, wie viel Neues er den Berlinern bei dieser Führungen zeigen kann.

Die Tour wird ca. 2-2,5 Std. dauern und wird in einer gemütlichen Kreuzberger Kneipe enden. Nähere Infos zur Tour entnehmt bitte der Anlage. Allerdings wird das Quartiersmanagment zu dieser Uhrzeit schon geschlossen haben.

www.stadtspur-berlin.de

Kontakt: Jens.Heimendahl@stiftung-spi.de,

Weiterlesen

Nächster Stammtisch: 18. Juli, 19 Uhr

Der nächste Stammtisch findet am 18. Juli im Café 100 Wasser in der Simon-Dach-Straße 39 statt. Los geht es um 19 Uhr. Referentin des Abends ist Silke Krause. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortag zum Thema “Tourismusberatung im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit – Erfahrungen aus Benin/Westafrika” und die anschließenden Diskussionen und Gespräche. Interessierte, die GATE e.V. kennen lernen möchten, sind herzlich eingeladen.

 
 

Vollständige Ankündigung:

“Liebe Tourismus-Interessierte, Liebe Freunde und Freundinnen des GATE-Stammtischs,

im Monat Juli widmet sich der GATE-Stammtisch dem Thema der Tourismusberatung im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit.

Zu diesem interessanten Thema möchten wir Sie/Euch auch diesmal wieder herzlich einladen.

 

Freitag, den 18. Juli

Tourismusberatung im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit – Erfahrungen aus Benin/Westafrika

 

Mehr als 4 Jahre hat Silke Krause als Tourismusberaterin in Benin gearbeitet, zunächst mit der Touristeninformation in Abomey, später zusätzlich mit 6 weiteren Kommunen im Süden des Landes. Mit ihr wollen wir diskutieren, in welcher Weise die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in der Tourismusentwicklung interveniert und wie sie die Realität in der Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort erlebt hat.

 

Wann?                 ab 19 Uhr
Wo?                      Café 100 Wasser, (bitte Treppe nach oben) Simon-Dach-Straße 39, 10245 Berlin, Friedrichshain,

(U5 Samariterstraße,  U/S Warschauer Straße, Tram 10 Grünberger Straße oder Bus 240 Boxhagener Platz).
Um Weiterleitung an Interessierte wird gebeten.
Wie immer freuen wir uns auf eine zahlreiche Teilnahme aller Interessierten und eine rege Diskussion!

Mit besten Grüßen,

 

GATE – Netzwerk, Tourismus, Kultur e.V.

Vorstand

www.gate-tourismus.de

 

—————————————————

Annegret Zimmermann

Gabriel-Max-Str. 15

10245 Berlin

Fon: +49 30 60924212

Mobil: +49 176 49936464

E-Mail: zimmermann@gate-tourismus.de

 

Weiterlesen