{"id":309,"date":"2014-07-15T11:03:32","date_gmt":"2014-07-15T11:03:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gate-tourismus.de\/?p=309"},"modified":"2014-07-15T11:06:11","modified_gmt":"2014-07-15T11:06:11","slug":"10-jahre-gate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gate-tourismus.de\/?p=309","title":{"rendered":"10 Jahre GATE"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Geschichte von GATE (verfasst anl\u00e4sslich des 10j\u00e4hrigen Bestehens im Jahr 2005)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10 Jahre GATE e.V.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Verein GATE e.V. entstand vor zehn Jahren (1995) aus einer haupts\u00e4chlich studentischen Initiative. Die meisten Gr\u00fcndungsmitglieder hatten bereits Erfahrung im Bereich Tourismus. Diese waren entweder beruflicher Art, z.B. als Reiseleiter oder Reiseverkehrskauffrau oder beruhten auf einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema in einer Magister- oder Doktorarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir alle waren vertraut mit den tourismuskritischen Str\u00f6mungen, die sich bereits seit Ende der 70er Jahre vor allem mit den \u00f6kologischen Folgen des Tourismus besch\u00e4ftigten. Zwar wurde auch Kritik an den sozio-kulturellen Folgen laut. Die ethnologische Fachdebatte diesbez\u00fcglich verlief aber eher unproduktiv, da man sich dem Thema vornehmlich kritisch-emotional denn wissenschaftlich n\u00e4herte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">So \u00fcberwog z.B. bei vielen Wissenschaftlern die Angst vor Ver\u00e4nderung durch den einsetzenden Massentourismus in klassischen ethnologischen Feldforschungsgebieten, wodurch sich das wissenschaftliche Interesse, sich mit dem Ph\u00e4nomen Tourismus zu befassen, in Grenzen hielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Anders verlief die wissenschaftliche Entwicklung im Fach Ethnologie in den USA, England und Frankreich, wo man sich bereits seit den 1960er\/1970er Jahren kreativ mit dem Thema auseinander setzte. In Deutschland waren bis dahin wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Tourismus Einzelleistungen, die in keinem Zusammenhang mit einer Forschungstradition standen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Gr\u00fcndung von GATE verfolgten wir darum zwei Absichten: Zum einen, Tourismus als Forschungsgegenstand in der deutschsprachigen Ethnologie zu etablieren und zum anderen, ethnologisches Wissen, ethnologische Methodik und ethnologische Ethik in die Tourismusbranche einzubringen. Langfristiges Ziel dabei war es nat\u00fcrlich auch, das touristische Berufsfeld f\u00fcr Ethnologen zu erschlie\u00dfen. Berufsfelder sahen wir dabei vor allem in touristischen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, in der touristischen Bildungsarbeit und in Berufen der Tourismusbranche selbst ist immer noch ein wei\u00dfer Fleck auf der Landkarte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide Felder, \u201eEthnologie und touristische Praxis\u201c und \u201eTourismusforschung in der Ethnologie\u201c k\u00f6nnen nicht ohne einander auskommen und m\u00fcssen sich st\u00e4ndig gegenseitig bereichern. GATE hat sich an der Schnittstelle der beiden Gebiete etabliert. Zu unseren wichtigsten Projekten geh\u00f6rten von Beginn an die Sensibilisierung f\u00fcr das Thema Tourismus im Fach selbst, u.a. durch Fachvortr\u00e4ge und -seminare an Universit\u00e4ten, sowie \u00d6ffentlichkeitsarbeit f\u00fcr das Fach, z.B. in Form von Pr\u00e4sentationen und Vortr\u00e4gen auf Reisemessen wie der Internationalen Tourismusb\u00f6rse (ITB) in Berlin2.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr seine Arbeit ist GATE angewiesen auf neue, f\u00fcr das Thema Tourismus relevante Forschungsergebnisse der deutschsprachigen Ethnologie. Dass sich das Thema Tourismus hier noch immer nicht durchgesetzt hat, erkennt man leicht, wenn man den Aufsatz von Hans Fischer aus dem Jahre 1982 liest: Die von ihm skizzierten Probleme sind die gleichen geblieben \u2013 der Aufsatz k\u00f6nnte von heute sein (vgl. Fischer 1982). Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind einfach herzuleiten: Zum ersten ist die Tourismusforschung bis heute noch immer die Sache Einzelner und einzelner Fachbereiche. Dar\u00fcber hinaus kommen wesentliche Impulse der Tourismusforschung weiterhin aus dem Ausland und aus anderen Disziplinen, die sich dem Tourismus als Forschungsthema angenommen haben, wie z.B. aus der Volkskunde, Soziologie, Psychologie, Betriebswirtschaftslehre und aus den Tourismuswissenschaften. Wie in anderen anwendungsbezogenen Forschungsgebieten ist es auch im Falle Tourismus der deutschsprachigen Ethnologie bislang nicht gelungen, einen kreativen Umgang mit dem Thema zu pflegen. Wenn \u00fcberhaupt, dann setzt sich die j\u00fcngere Generation in Magister- und Doktorarbeiten mit dem Thema auseinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">In vielen anderen Publikationen ist Tourismus oft nur deshalb Bestandteil, weil er in den Forschungsgebieten einfach nicht mehr \u00fcbersehen werden kann. Das alles hat auch zur Folge, dass sich die Tourismusforschung in Deutschland noch nicht entsprechend institutionalisiert hat. In der gemeinsamen Interessenvertretung der deutschen Ethnologie, der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde (DGV), existiert keine entsprechende Arbeitsgruppe und an den Universit\u00e4ten gibt es nur vereinzelte Projekte, bei denen Tourismus als Forschungsgegenstand im Zentrum steht. Ein weiteres Hemmnis sind die Lehrenden des Faches Ethnologie, die den Bezug zum Thema Tourismus noch immer zu wenig suchen. Trotz steigender Absolventenzahlen, die vorhersehbar nicht alle im wissenschaftlichen Bereich t\u00e4tig werden k\u00f6nnen, gibt es von Seiten der Lehrenden wenig Interesse, anwendungsbezogene Forschungsfelder wie das Thema Tourismus zu erschlie\u00dfen. So ist es auch zu erkl\u00e4ren, dass die zumeist studentischen Initiativen, die sich wie GATE im Bereich Tourismus engagieren, wenig Unterst\u00fctzung erhalten<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Im R\u00fcckblick auf die letzten zehn Jahre GATE e.V. w\u00e4re Resignation dennoch unangebracht. Denn der vermeintliche wei\u00dfe Fleck, den die Tourismusforschung in der deutschen Ethnologie darstellt, wird \u2013 wenn auch sehr langsam \u2013 kleiner. So ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema sehr viel differenzierter geworden, auch wenn die wesentlichen Impulse noch immer aus dem Ausland kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Angebot an Seminaren zum Thema Tourismus an den deutschsprachigen Fachbereichen hat sich enorm erweitert. Vereinzelt gibt es inzwischen Tourismus-Forschungsprojekte. Auch ist das Interesse am Fach von au\u00dfen gestiegen. So greifen andere F\u00e4cher, die sich mit dem Themenkomplex Tourismus befassen, vermehrt auf vorhandene ethnologische Forschungsergebnisse zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Und wie sieht es mit der Praxis aus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">GATE e.V. ist das Tor, um \u201efremde\u201c Kulturen besser verstehen zu lernen. Diesem Anspruch versuchen wir gerecht zu werden: sowohl gegen\u00fcber denjenigen, die reisen, als auch gegen\u00fcber denjenigen, die sich professionell (theoretisch oder praktisch) mit Tourismus auseinandersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fokus unserer Bem\u00fchungen stehen hierbei die Tourismuswirtschaft, die Entwicklungszusammenarbeit, die Bildungsarbeit und nicht zuletzt die Reisenden selbst. Wir haben bei unserer Arbeit im vergangenen Jahrzehnt immer wieder feststellen m\u00fcssen, dass der Begriff \u201eTourist\u201c gerne pauschal mit denjenigen gleichgesetzt wird, die vornehmlich zum Zweck der Erholung reisen. Sie gelten f\u00fcr viele als die Hauptverursacher von sozio-kulturellen (und weiteren) Problemen in den touristischen Zielgebieten, die in der tourismuskritischen Debatte seit nunmehr rund 30 Jahren diskutiert und angeprangert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiele f\u00fcr den unmittelbaren Beitrag von Erholungssuchenden zu negativen Auswirkungen in den Destinationen (z.B. Akkulturationseffekte) gibt es zahlreich und k\u00f6nnen nicht verleugnet werden. Aber dies ist eben nur die eine Seite der Medaille. Denn wir alle reisen \u2013 unabh\u00e4ngig von unseren Reisemotiven \u2013 in ferne und f\u00fcr uns fremde L\u00e4nder mit derselben Hoffnung, ja der Erwartung, dass wir von der einheimischen (= \u201ebereisten\u201d) Bev\u00f6lkerung als Gast empfangen und behandelt werden. Wir alle haben den Anspruch, auch (oder vielleicht gerade) fern der Heimat bestimmten pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnissen nachzugehen, f\u00fcr die wir ein gewisses Ma\u00df an Respekt, Freiheit, Toleranz und Abstand von Seiten der einheimischen Bev\u00f6lkerung voraussetzen. Wir alle m\u00f6chten auch etwas mitnehmen von unserer Reise, sei es die Erinnerung an einen sch\u00f6nen Urlaub, sei es ein konkretes Ergebnis aus einer ethnologischen Feldforschung, oder sei es die Gewissheit, ein (zumal touristisches) Entwicklungsprojekt erfolgreich mitgestaltet zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Diejenigen, die glauben, sich von den Erholungssuchenden abgrenzen zu k\u00f6nnen, da sie (scheinbar) nicht Teil des Problems sind, verkennen, dass ein \u201eprofessionelles\u201c Reisemotiv (z.B. eine ethnologische Feldforschung, der Einsatz als Entwicklungshelfer oder als Reiseleiter) weder automatisch interkulturelle Kompetenz verleiht noch automatisch dazu legitimiert, sich als etwas anderes (oder gar besseres) zu sehen als das, was wir alle auf Reisen sind: n\u00e4mlich Touristen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">So legitim auf der einen Seite die Anspr\u00fcche und Bed\u00fcrfnisse der Reisenden sind, so legitim ist auf der anderen Seite die Erwartung der einheimischen Bev\u00f6lkerung, dass der Gast \u2013 unabh\u00e4ngig von seinem Reisemotiv \u2013 ihre Sprache, Kultur, Gebr\u00e4uche und Traditionen respektiert und sich damit auseinander setzt. Nur wenn beide Seiten ernst genommen werden, l\u00e4sst sich der Anspruch eines verbesserten interkulturellen Dialogs sowie von mehr Sozialvertr\u00e4glichkeit im Tourismus erreichen und k\u00f6nnen touristische Produkte entwickelt werden, die sowohl diesem Anspruch gerecht werden als auch realistische Marktchancen bieten. Wir alle k\u00f6nnen Katalysatoren dieses Prozesses, aber eben auch Teil des Problems sein. Es kommt darauf an, ein gegenseitiges Bewusstsein f\u00fcr die Erfordernisse im Umgang mit unterschiedlichen Werte- und Normenvorstellungen und deren relativer G\u00fcltigkeit zu schaffen sowie Wege f\u00fcr die Praxis aufzuzeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies gilt nicht nur f\u00fcr das unmittelbare Zusammentreffen von Erholungssuchenden mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung sowie touristischen Anbietern vor Ort, sondern betrifft auch diejenigen, die in der Tourismuswirtschaft arbeiten (sei es als Reiseveranstalter, Reiseb\u00fcro, Incoming-Agentur, Hotelier, Gastronom, Reiseleiter oder in sonstigen Bereichen), sowie diejenigen, die in der Entwicklungszusammenarbeit oder entwicklungspolitischen Bildungsarbeit besch\u00e4ftigt sind (sei es vor Ort oder in Deutschland, sei es im Tourismus selbst oder auch in anderen Themenfeldern) und nicht zuletzt betrifft es die Ethnologen selbst (sei es bei T\u00e4tigkeiten vor Ort oder in Deutschland, sei es im Bereich der ethnologischen Tourismuslehre oder im Bereich der ethnologischen Tourismusforschung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ausblick<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit Beginn unserer Aktivit\u00e4ten setzen wir uns daf\u00fcr ein, dem Themenkomplex \u201eEthnologie und Tourismus\u201c innerhalb und au\u00dferhalb des Fachs eine \u00d6ffentlichkeit zu verschaffen. Die Tatsache, dass auf der Konferenz neben Ethnologen auch zahlreiche Reiseveranstalter, Entwicklungs- und Bildungsexperten teilgenommen haben, zeigt das Interesse der Praxis, sich mit ethnologischen Herangehensweisen im Tourismus auseinander zu setzen. Daher werden wir auch in Zukunft daran arbeiten, dass die Tourismuslehre und -forschung ein Teil der Ethnologie wird und daran, ethnologische Erkenntnisse in der Tourismusbranche, Entwicklungszusammenarbeit und Bildungsarbeit zu etablieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte von GATE (verfasst anl\u00e4sslich des 10j\u00e4hrigen Bestehens im Jahr 2005) 10 Jahre GATE e.V. Der Verein GATE e.V. entstand vor zehn Jahren (1995) aus einer haupts\u00e4chlich studentischen Initiative. Die meisten Gr\u00fcndungsmitglieder hatten bereits Erfahrung im Bereich Tourismus. 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